Fania Oz-Salzberger/Yedidia Z. Stern (Hrsg.): Der israelische Nationalstaat (Inhaltsverzeichnis und Leseproben online)

JETZT lieferbar:

Fania Oz-Salzberger und Yedidia Z. Stern (Hrsg.)

Der israelische Nationalstaat

Politische, verfassungsrechtliche und kulturelle Herausforderungen

Aus dem Englischen von Clemens Heni und Michael Kreutz

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA), Studien zum Nahen Osten, Band 6

ISBN 978-3-946193-05-0 | 14,8 x 21,0 cm | Paperback | 456 Seiten | 28€ | Literaturverzeichnis | Index

DIREKT beim Verlag bestellen: info[at]editioncritic.de (kostenlose Lieferung innerhalb D zum nächsten Werktag)

Oder in jeder Buchhandlung bestellbar.

Titel | Inhaltsverzeichnis | Autor*innen (PDF)

Zwei Leseproben:

1) Fania Oz-Salzberger Yedidia Z. Stern: Einleitende Bermerkungen (PDF)

Das Ausmaß der globalen Faszination von Israels ein­zig­art­ig­er polit­ischer Situation ist verblüffend. Israel hat seit seiner Geburt die Aufmerksamkeit der ganzen Welt be­komm­en, ja diese in ihren Bann gezogen. Das heutige Interesse an Israel – ob nun wohlgesonnen oder feindselig – nimmt un­auf­hör­lich zu. Heutzutage, mehr denn jemals zuvor, sind die Augen und Ohren der Medien­konsumenten weltweit auf Israel, die Palä­sti­nen­ser und den Nahen Osten insgesamt gerichtet. Die ganze Region trans­formiert sich derzeit schnell und unvorhersehbar und auch Israels Ge­sell­schaft und politische Kultur  wandeln sich, wenngleich in einer wen­iger ge­walt­förm­igen Art und Weise.

Dieser Band beinhaltet Ori­gi­nal­bei­trä­ge von ein­­igen der be­mer­kens­wert­esten israelischen öffent­lich­en wie wiss­en­­schaft­­­­lichen Stim­men. Er bietet den Leserinnen und Les­ern den aktuellen For­schungs­stand, zu­gäng­liche Analysen von Israels sich endlos fort­setz­endem Theater der Staatskunst, öffent­lichen Debatten, juri­st­ischen und kul­t­ur­ellen Dra­men, sein­en tiefen Gräben und – was vielleicht mehr über­rascht – seinen inneren Ge­mein­sam­keiten und gleichen ge­meinsamen Nenn­ern.

In den einführenden Kapiteln betrachten Yedidia Z. Stern und Gadi Taub nochmal die Grundlagen – die Gründung Israels als ein demo­krat­isch­er und jüdischer Staat – aus einer in sich verflochtenen Perspektive polit­ischen, die Identität betrachtenden und zionistischen Denkens heraus. Der Staat Israel wurde 1948 gegründet und war zuvor 1947 durch eine UN-Resolution ge­billigt worden, womit er Teil der internationalen Gemeinschaft und ein voll­ständ­iges Mit­glied seiner wichtigsten juristischen Institutionen wurde. Gleich­zeitig hat er den Titel des weltweit einzigen jüdischen Staates. In­wiefern ist Israel ein Natio­nalstaat? Das ist anscheinend leicht zu beant­wort­en: es ist der Staat der jüdischen Nation. Doch dieser Name wird in den letzt­en Jahren zunehmend kontrovers betrachtet. Sind die Juden eine Nation? Die Grün­dungs­väter Israels, am prominentesten Theodor Herzl, dacht­en ganz sicher so, wie auch die meisten Israelis heute so denken. Aber das Judentum ist auch eine Religion. Was ist die Beziehung zwischen Juden, die sich religiös definieren und zwischen israelischen Juden als Bürger eines Staates, der auch nicht­jüd­ische Bürger hat? Überschneiden sich der jüdische Glaube und die jüdische Nation ganz oder teilweise, vielleicht so wie wir es von der griechischen Orthodoxie oder dem thailändischen Buddhismus und deren Beziehung zu Staatlichkeit kennen? Wenn dem so ist, wie verhält es sich dann mit dem Status der Juden außerhalb Israels und jenem der nicht­jüdischen Israelis? Einige der Schnitt­stellen von Staat, Nation und Religion, die mit unter­schied­lichen Be­deut­ung­en das Adjektiv „jüdisch“ tragen, werd­en in den Kapiteln von Avi Sagi und Daniel Statman untersucht und tauchen in vielen weiteren Kapiteln dieses Buches auf.

Selbst wenn wir die jüdische Nation als selbstverständlich an­nehm­en, unterscheidet sich die demographische Geschichte Israels von den meis­ten anderen modernen Ländern. Israel ist ein Ein­wand­er­ungs­land wie auch ein Nationalstaat, aber es fügt sich weder in die eine noch in die an­d­ere Kate­go­rie ein. In Europa wie in weiten Teilen Asiens entwickelten sich die Natio­nal­staaten aus einheimischen ethnischen Mehr­heits­gruppen; Israels jüdische Mehrheit folgt aus einer modernen Bewegung der Mass­en­­immigration. Sich­erlich, einige moderne Nation­en wie in Am­erika oder dem Süd­paz­i­fik sind aus einer Fülle von Ein­wand­er­er­ge­mein­­schaften ent­standen.

Aber in dieses Modell passt Israel eben auch nicht so ohne Weiteres. Die Juden stellen die überwältigende Mehrheit der Einwanderer seit 1948. Sie stammen in der Tat aus vielen ver­schied­enen Ländern und Kulturen, aber ihre Berechtigung zur israelischen Staatsbürgerschaft basierte auf ihrer jüdischen Herkunft. Das israelische Rück­kehrrecht (1950) gewährt allen Juden und ihren direkten Verwandten weltweit und bedingungslos Einlass nach Israel und die Staatsbürgerschaft – unabhängig von Alter, Ausbildung oder ökonomischem Status. Im Gegen­satz dazu hat Israels arabische Min­d­er­heit kein Mitspracherecht in der Einwanderungspolitik des Landes und die 1947/48 geflohenen oder ver­triebenen Palästinenser – auf­grund ihres ver­lor­enen Krieges gegen die Juden – haben keinen An­spruch auf Rückkehr. Diese Politik ist jedoch nicht dramatisch ver­schieden von den demo­graph­ischen Neuordnungen euro­pä­ischer Län­der im Zuge der großen Vertreibung infolge des Zweiten Welt­kriegs. Das isra­el­ische Rückkehrrecht ist nicht grund­sätzlich wähl­er­isch­er als andere Ein­wand­erungspolitiken, aber es diff­er­enziert viel spezi­f­isch­er: es ist auf Juden und ihre Familien beschränkt und betrifft wirklich alle, unabhängig von Alter, Erziehung oder öko­nom­ischer Kraft. Dennoch ist diese spezielle israelische Ein­wan­d­er­ungs­politik sehr um­stritten. In diesem Band wird das Rückkehrrecht auf er­frischende Weise von Yaffa Zilbershats untersucht und seine Auswirkungen erfahren in anderen Kapit­eln ein Echo. Übertrumpft Israels jüdischer Charakter seine demo­krat­ische Ver­fasst­heit, sei es notwendigerweise oder zufällig? Passen die beiden zu­ein­ander oder handelt es sich um zwei unterschiedliche Ebenen? Was sind die ver­fassungs­rechtlichen und praktischen Bedeutungen des Adjektivs „jüd­­isch“ in Israels Eigen­de­fi­ni­tion? Im vorliegenden Band wird dieser zen­trale Aspekt von Fania Oz-Salzberger, Ruth Gavison, Ariel L. Bendor, Aviad Bakshi und Gideon Sapir diskutiert. Von einem breiteren philo­­so­ph­ischen Blickwinkel aus untersucht Shira Wolosky die Kos­mo­po­li­tismus-versus-Par­ti­­ku­laris­mus-Achse, die quer durch das Span­n­ungsfeld jüd­ischer, nicht nur israelischer Identität verläuft.

Hier hört die Komplexität aber keineswegs auf. Sie wird noch un­ter­strichen durch drei einzigartige Faktoren: Den jüdischen Anspruch auf das Land Israel, die singuläre Monstrosität des Holocaust und die fort­dau­ernde Not der Palästinenser und ihr sich herausbildendes nationales Be­wusst­sein. Die Juden gründen ihren Anspruch auf ihr historisches Land und, wie die israelische Unabhängigkeitserklärung eloquent ausführt, auf ein riesiges Bücherregal geschriebener Beweise – über zwei Jahrtausende von Zeug­nissen, beginnend mit der hebräischen Bibel. Das wird durch un­zählige Dokumente von Juden unterstützt, über viele Jahrhunderte hin­weg, die sich auf ihre verlorene Heimat bezogen, von der sie zwangsweise vertrieben worden waren.

Das ist eine ungewöhnliche Begründung für moderne Staatlichkeit. Als jedoch die zionistische Bewegung ihre Ansprüche den Weltmächten im frühen zwanzigsten Jahrhundert vorlegte und dann wieder im Jahr 1947, erhielt sie zunächst eine teilweise und sodann überwältigende offizielle An­er­kennung. Die UN-Resolution 181, der Teilungsplan für Palästina, sah zwei souveräne Staaten für Araber und Juden vor und wurde mit einer Mehrheit von 33 zu 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen angenommen. Israels inter­nat­io­nale Legitimität, die seither lautstark in Zweifel gezogen wird, ist eine welt­geschichtliche Tatsache. Dennoch, die komplexen Fragen be­züg­lich jüd­ischer Staatlichkeit faszinieren die Welt weiterhin.

Der vorliegende Band knüpft an diese Faszination an und bildet die andauernde Debatte und Kreativität des öffentlichen israelischen Diskurses und darüber hinaus ab. Eine Linie in der Diskussion bezieht sich auf die angebliche antike Herkunft nationalen Bewusstseins. Ist die Nat­ion dem­nach ein modernes Konstrukt oder kann sie alte Bezugspunkte zu Recht anführen? Theo­re­tiker*innen, die alle modernen Nationen modernen Ideo­lo­gien zu­schrei­ben, neigen zu der Be­hauptung, Juden seien niemals eine Nation gewesen, ledig­lich eine Religion, bis zu dem Zeitpunkt, als der Zion­ismus die jüdische Staat­­lichkeit „erfunden“ habe. Andere Schulen des polit­ischen Denkens er­lauben längere Zeiträume für die Konstruktion nationalen Selbst­be­wusst­seins. Aus einer solchen Perspektive bildete das jüdische Volk eine Einheit mit einer Religion, die über zwei Jahrtausende ohne Territorium oder Souv­er­änität überlebte, bis sie sich daranmachte, diese einzufordern. Dieser Streit geht weiter.

Man ist jedoch ziemlich auf der sicheren Seite zu betonen, dass der Zionismus eine moderne Ideologie ist, die von anderen nationalen Be­weg­ungen des späten neunzehnten Jahrhunderts die In­spi­ra­ti­on, den Wort­schatz und die intellektuelle Nahrung bekommen hat. Gleich­zeitig hat er jedoch eine historische und schriftliche Herkunft, die länger ist als die der meisten anderen solcher Bewegungen. Seine Ein­zig­ar­tig­keit liegt in seinem extraterritorialen Beginn und seiner Forderung nach einer Massen­ein­wan­der­ung von Juden – nicht in eine neue Kolonie, son­dern in das an­ge­stamm­te Land.

Der Völkermord an den europäischen Juden durch Nazi-Deutschland hat die Forderung nach einem jüdischen Staat nicht ausgelöst – diese For­derung gab es schon ein halbes Jahrhundert zuvor –, aber brachte sie zu einem neuen Höhepunkt tragischer Notwendigkeit. Der Zionismus kommt nicht vom Holocaust her. Ganz im Gegenteil, der Holocaust wurde von vielen Zionisten als schreckliche Bestätigung der historischen Analyse der Be­weg­ung interpretiert und als ‚Erfüllung‘ ihrer Warnungen, jedoch auf eine Weise, die unsagbar schlimmer war, als es die zionistische Bewegung in ihren dunkelsten Vorhersagen geahnt hatte. Das ist nur ein Teil der Ge­schichte – die Vernichtung von sechs Millionen jüdischen Leben hat das jüdische natio­nale Ideal fast zerstört und sein menschliches Potential offen­kundig viel stärker reduziert als sie der zionistischen Sache hätte dienen können. Anita Shapira reflektiert in ihrem Kapitel auf einige Aspekte der komplexen Be­ziehung zwischen dem Holo­caust und zionistischen wie auch anti­zion­ist­ischen Interpretationen von Israels Existenz und seiner Raison d‘Être. Das Konzept eines israelischen Nationalstaats wurde durch eine zunehmend verfahrenere Situation auf die Probe gestellt, vor allem weil seine Gründung eine andere angehende Nation, die der Palästinenser, nach­haltig be­ein­flusste. Dieser Band kann sich nicht tiefgründig mit der Sache palä­sti­nen­sischer Staatlichkeit befassen, die mitunter mit Problemen kon­fron­tiert ist, die jenen der jüdischen Staatlichkeit ähneln.

Es ist wichtig zu betonen, dass durch die UN-Resolution 181 ein souveräner palä­sti­nen­sisch­er Staat ge­währt wurde, den aber die damalige palä­sti­nen­sische Führ­ung ablehnte. In unserem Kontext ist das aber gerade kein Grund, gegen eine mögliche zu­künft­ige palästinensische Un­ab­häng­ig­keit zu sein, ganz im Gegenteil: Es ist ein klarer Beweis dafür, dass ein jüd­isch­er Nationalstaat aus Sicht des in­ter­nationalen Mainstreams der zion­ist­isch­en Auffassungen niemals so for­mu­liert war, als ob er einen palä­sti­nen­sischen Nationalstaat ausschlösse. Trotz der juristischen Lebensfähigkeit zwei­er Nach­bar-Nati­o­nal­staat­en, reich­en der ungelöste Status der Palä­sti­nen­ser in den von Israel be­setzten Gebieten seit 1967, der durch den Anstieg der jüdischen Siedler in Judäa und Samaria (der Westbank) verschärft wird, sowie die an­stei­g­en­de Gewalt auf beiden Seiten weit in jeden Aspekt der israelischen Ge­sell­schaft, von der Recht­sprechung bis zu den Künsten. Dies­er Band be­fasst sich mit den Im­pli­kat­ionen des israelisch-palä­sti­nen­si­schen Kon­flikts, wie er sich im Innern Isra­els, in Staat und Gesellschaft zeigt.

Mehrere Kapitel befassen sich mit den juristischen, politischen und kulturellen Belangen von Israels arabischen Bürgern, die eine Ein­fünf­tel­minorität darstellen. Michael M. Karayannis Beitrag informiert über den juristischen Status verschiedener religiöser Minderheiten in Israel. Zu­gleich zeigt er auf nutzbringende Weise, dass die arabische Bürgerschaft nicht aus einer einheitlichen Gruppe besteht, sei sie religiös oder kulturell. Inter­ess­ant­erweise kommen die juristischen Rechte und Beschränkungen, die die arabischen Gruppen betreffen, direkt aus den religiösen Kom­pro­missen von innerhalb der jüdischen Mehrheitsgesellschaft, so wie sie in den frühen Jahren Israels getroffen wurden und die sich auf die Mein­ungs­ver­schied­en­heiten beziehen, was es heißt, einen jüdischen Staat zu haben. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass weder die arabische Minder­heit noch irgendein anderer Teil der israelischen Gesellschaft ihr ver­fassungs­recht­liches oder kulturelles Schicksal einfach so hinnehmen würden. Heut­zutage, mehr denn jemals zuvor, treten Individuen und Grupp­en lautstark und durch­setz­ungs­fähig auf. Es ist noch zu früh, um eine wissen­schaftliche Ana­ly­se der sozialen Protestbewegungen der letzten Jahre vorzulegen, die häu­fig quer zu tradi­tio­nellen, sozialen, ökonomischen und ethnischen Gren­z­en verlaufen. Be­züg­lich der palästinensischen Bürger Israels schlägt Ay­man K. Agbaria in seinem Kapitel einen neuen und aktiven Kurs auf dem Feld der Erziehung vor. Das könnte durchaus eine Signalwirkung für bürg­erliches Engagement haben, ob nun moderat oder radikal, und zwar nicht nur für die Araber, sondern auch für andere Unter­gruppen der israelischen Ge­sell­schaft. Aller­dings darf die bürgerliche Wachsamkeit und Bestimmtheit sich nicht zum Verhängnis für Israels Staat und Gesellschaft entwickeln. Daher bieten die beiden ab­schließ­enden Kapitel von Alexander Yakobson und David Passig zu­kunfts­or­ein­tier­te Ansätze. Sie sind vorsichtig optimistisch, was die Zu­kunft Israels sowohl als pluralistische Demokratie wie als jüd­ischer Staat betrifft. Optimismus ist wahr­lich eine seltene Eigenschaft der Mainstream-Israelstudien des letzten Jahrzehnts.

Wie dem auch sei, die Herausgeberin und der Herausgeber des vor­liegenden Bandes, beide keine Un­be­kannt­en in der öffentlichen Debatte wie der wissenschaftlichen Ana­ly­se, glauben wie viele andere auch, der Staat Israel werde moralische und polit­ische Hürden über­springen und sich zu einer vollständigen De­mo­kra­tie entwickeln können, ohne seine einzigartige Identität als jüd­ischer Staat zu verlieren. Gleichzeit wird der Staat Israel versuchen, seine Ver­pflich­tung für Ge­recht­ig­keit gegenüber jeder einzelnen Bürgerin und jedem einzelnen Bür­ger und jed­er einzelnen Min­der­heit­en­gruppe gerecht zu werden, so wie es von der Un­ab­häng­ig­keits­er­klär­ung vor­­ge­sehen war.

Somit nehmen sich die fünfzehn Kapitel dieses Buches ein großes Spektrum der theoretischen Debatten vor, die die gegenwärtigen polit­ischen und öffentlichen Diskussionen Israels behandeln, wenngleich wir nicht vor­geben, die ganze Palette dieser intensiven und sich immer neu ent­wick­eln­den Arena betrachten zu können. Darin legen die Autorinnen und Autoren historische, philosophische, soziale und juristische Analysen von Israels jüdischen und demokratischen Ambitionen vor und betrachten die sie um­gebenden zentralen Spannungsfelder. Keine zwei Autoren haben die exakt gleiche Auffassung. Das sehen wir nicht nur als Zeichen der schieren Kom­plex­ität unseres Themas, sondern ebenso als Ausdruck der frucht­baren Viel­falt der israelischen Öffentlichkeit.

2) Clemens Heni: Editorische Vorbemerkung (PDF)

„Mit alledem will ich nicht dazu aufrufen, den Wehrdienst zu verweigern. Ich habe, ehrlich gesagt, keine unmittelbare praktische Lösung für die Tausenden von Raketen der Hamas und der Hisbollah oder den massiven Judenhass, der sich in vielen arabischen Ländern aufgestaut hat. Aber ich fordere die Israelis, denen Demokratie, universelle Werte und Menschenrechte am Herzen liegen, dazu auf, ihre verkümmerten politischen Muskeln spielen zu lassen und zu gebrauchen. Gewiss kann die Linke – die der Mitte, die moderate und die radikale Linke – diese Werte entschlossener verteidigen als bisher.“ (Eva Illouz)[1]

Dieses Buch bietet den Leser*innen Grundlagenforschung in den Bereichen „Israelstudien“, „Nahoststudien“ und „Jüdische Studien“. Es geht in dem Band um eine wissenschaftliche Fundierung des jüdischen und demokratischen Staates Israel. Wie hat sich der Zionismus entwickelt, was sind seine Hauptziele? Welche Ziele wurden umgesetzt, welche nicht und in welche Richtung entwickelt sich die israelische Gesellschaft? Inwiefern sind Juden eine Nation? Warum greift es viel zu kurz, Juden nur mit der Religion des Judentums zu assoziieren, aber nicht mit Israel und der jüdischen oder hebräischen Nation?

Viele der Autor*innen in dem Band vertreten weiterhin und nachdrücklich die Zweitstaatenlösung, also das friedliche Nebeneinander des bereits existierenden jüdischen Staates Israel und einem zukünftigen Staat „Palästina“. So hatte es die UN-Resolution 181 vom 29. November 1947 vorgesehen. Doch die Araber lehnten eine Teilung des Landes ab und griffen den (bis zum 14. Mai 1948 noch im Werden begriffenen) Staat an. Nur mit viel Glück, kämpferischem Überlebenswillen und militärischem Geschick überlebte Israel den Unabhängigkeitskrieg unter massiven Verlusten. Die Verweigerungshaltung vieler Araber, inklusive vieler Palästinenser, bis heute, Israel anzuerkennen, bei gleichzeitigem Schüren von Antisemitismus und Israel­feind­schaft auch in offiziellen Medien und durch Politiken der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) – von der den Gazastreifen beherrschenden Terrororganisation Hamas gar nicht erst zu reden –, sind ein großes Friedenshindernis. Der arabische wie islamistische Antisemitismus sind weit verbreitet, von Verschwörungsmythen, der Blutbeschuldigung („Blood Libel“), der Diffamierung der Juden als „Söhne von Affen und Schweinen“ hin zu vielen weiteren antisemitischen Stereotypen. Mörderische Anschläge und die Delegitimierung des jüdischen Staates sind die Konsequenzen. Ganz grund­sätzlich wird bis heute von vielen Arabern und Muslimen nicht anerkannt, dass Juden ein elementarer Bestandteil des Nahen Ostens sind und Israel ein jüdischer Staat ist.

Aber ist die arabische Weigerung, Israel anzuerkennen – von den Ausnahmen Ägypten und Jordanien, die Friedensverträge mit Israel haben, und einigen weiteren Entspannungstendenzen in der arabischen Elite mancher Staaten abgesehen – das einzige „Friedenshindernis“, dem sich Israel gegenübersieht? Ist es so „einfach“? Sind die Fronten so eindeutig?

Nein, so einseitig scheint die Problemlage keineswegs zu sein. Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland (der Westbank) sind ebenso ein massives Hindernis, und das auch deshalb, weil sie es zunehmend unmöglich machen, dass ein zusammenhängender palästinensischer (arabischer) Staat funktionieren könnte. Die Siedlungen sind von enormer problematischer Tragweite für das zionistische Projekt – und das nicht nur, weil es unwahrscheinlich ist, dass die Siedlungen Teil des Staates Palästina werden könnten, da beide Seiten das nicht wollen, obwohl ja auch Israel ca. 20% palästinensische Araber als Staatsbürger hat, was wiederum theoretisch auch andersherum denkbar wäre, ein Staat Palästina mit ca. 20% Juden.

Die ehemalige Knessetabgeordnete und Public Intellectual Einat Wilf aus Tel Aviv bringt die Problemlage im Januar 2017 auf den zionistischen Punkt.[2] Sie betont, Israel müsse sich entscheiden, ob es den alten Traum jüdischer Souveränität, also einen Zionismus des jüdischen Volkes, oder einen religiös-messianischen Zionismus des Landes im Sinne hat. Letzterer möchte so viel Landfläche im Westjordanland als möglich besiedeln. Der religiös-messianische und religiös-nationalistische Zionismus verhindern damit einen eigenständigen und lebensfähigen palästinensischen Staat. Perspektivisch läuft das auf eine Annexion der gesamten Westbank hinaus – oder aber auf einen für beide Seiten unerträglichen Besatzungsstatus. Den Palästinensern würde weiterhin politische Souveränität vorenthalten werden und Israel würde seinen essentiellen jüdischen und demokratischen Charakter, den dieser Band in mehreren Kapiteln herausarbeitet, weiter beschädigen. Eine Kritik der Siedlungen sollte hier und heute keineswegs heißen, Israel könne sich unilateral aus der ganzen Westbank zurückziehen. Ein Rückzug des Militärs wäre in Zeiten des Jihad und des palästinensischen Antisemitismus mörderisch. Aber ein Ende des Besatzungsstatus wäre gleichwohl denkbar, ohne das Militär sofort mit abzuziehen, da das aus Sicherheitsgründen nicht denkbar ist.

Eine Annexion der Westbank wäre jedoch das Ende des Zionismus, wie wir ihn kennen. Paradoxerweise erweist sich somit die umstrittene UN-Sicherheitsrats-Resolution 2334 von Dezember 2016 als pro-israelisch. Sie wendet sich zwar in scharfen Tönen gegen die Siedlungen, aber das Israel von 1948 wird vollkommen bejaht! Seit Jahrzehnten wäre eine UN-Resolution gegen die palästinensische Weigerung, Israel (als jüdischen Staat) anzuerkennen, überfällig. So richtig es also ist, die Obsession der Vereinten Nationen, sich mit Israel zu befassen, zu betonen, so falsch liegen doch sehr viele pro-israelische (oder nicht selten auch schlicht antimuslimische und antipalästinensische) Kommentator*innen, Forscher*innen, Blogger*innen und Aktivist*innen gerade in der Bundesrepublik, aber auch weltweit, die immer nur „Gevalt“ rufen (wie es ein israelischer TV-Moderator von ILTV im Gespräch mit Wilf auf Jiddisch ironisch aufgriff[3]) wenn sie UN hören, wie es auch bei dieser UN-Resolution passierte.

Die völlig undiplomatische Reaktion des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der absichtlich die pro-israelische Intention und den Pro-Zionismus von John Kerry, dem damaligen US-Außenminister, nicht sehen wollte, zeigt, wie verhärtet die Fronten sind. In Israel selbst tobt seit Jahren ein Kampf der Ideen, zwischen säkularen Zionisten, die sich auf der Seite des „eigentlichen“ Zionismus verorten und jenen, die zumeist aus religiös-nationalistischen und religiös-messianischen Motiven heraus das demokratische Projekt des Zionismus von innen heraus zermürben und auf gar nicht so lange Sicht zerstören könnten. Darauf weist auch der bekannte israelische Sicherheitsexperte Shaul Arieli im Januar 2017 hin.[4] Er sieht die große Gefahr der Einstaatenlösung, also der Annexion des Westjordanlandes (vom Gazastreifen ganz zu schweigen) durch Israel. Am Beispiel Jerusalems macht er deutlich, wie problematisch die Bevölkerungsentwicklung seit 1967, als Israel den Ostteil der Stadt (und die Altstadt) eroberte, abläuft. Lebten 1967 nur 26% Araber in Jerusalem (also West- und Ostjerusalem zusammengerechnet), so waren es 2015 schon 40%. Das gefährdet die jüdische politische Souveränität in der eigenen Hauptstadt.

Bei einer Annexion des gesamten Westjordanlandes würde die arabische Bevölkerung Israels wiederum massiv ansteigen und nicht mehr im typischen, sagen wir: zionistischen Mehrheits-Minderheits-Verhältnis von 75% jüdischer Bevölkerung, 20% arabischer und 5% sonstiger Bevölkerung sein. Arieli ist nicht naiv und behauptet nicht zu wissen, wie eine Zweistaatenlösung gehen könnte und wie sich dann das Leben in Israel entwickelte. Aber er betont, dass Israel schon jetzt ganz real wisse, was ein solches de facto binationales Leben bedeutet: Eine massive Terrorgefahr in Jerusalem, alltägliche Spannungen, dazu kommen noch ökonomische Probleme der Palästinenser in Ost-Jerusalem, das nur pars pro toto für die besetzten Gebiete steht. Wir haben es hier also mit aktuellen zionistischen Stimmen der Vernunft zu tun, die gerade aus Liebe zu Zion den religiös-nationalistischen Kurs der Regierung Netanyahu, aber auch die immer konservativer, religiöser und rechter werdende politische Kultur Israels insgesamt kritisieren.

Diese zionistischen Stimmen sind nun ganz eindeutig von jenen post- und antizionistischen Scharfmacher*innen zu unterscheiden, denen noch jede UN-Resolution gerade passt, um Israel und den jüdischen Staat an sich abzulehnen. Während die liberalen, säkularen, durchaus auch konservativen und zumal die traditionellen linken Zionist*innen Israel als jüdischen und demokratischen Staat retten wollen, geht es den Post- und Antizionist*innen darum, Israel zu zerstören. Israel erlebt nicht erst heute, aber verschärft Anfang des Jahres 2017 intensive Diskussionen über seinen zukünftigen Charakter. Dieser Band kann einem deutschsprachigen Publikum eine ganze Reihe von grundlegenden historischen, politischen, verfassungsrechtlichen und kulturellen Analysen des jüdischen und demokratischen Staates Israel liefern. Der Band kann helfen, Israel von innen heraus besser zu verstehen und sich in der komplizierten Gemengelage Israels und somit eines zentralen Teils des Nahen Ostens zu orientieren.

***

Die Beschäftigung mit dem jüdischen Staat Israel hat für den im Januar 2011 gegründeten Thinktank Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) wie auch für den im August 2011 gegründeten Verlag Edition Critic von Anfang an eine sehr große Bedeutung. Neben der Holocaustleugnung und Holocaustverharmlosung, antisemitischen Verschwörungsmythen, gegen das Judentum gerichteten Invektiven („Gottesmörder“, Agi­tation gegen die Beschneidung oder das Schächten) und einer Unzahl weiterer Facetten der „tödlichen Obsession“ (so der Historiker Robert Solomon Wist­rich, 1945–2015), ist der Antizionismus seit Jahrzehnten weltweit eine der virulentesten und gefährlichsten Formen des heutigen Antisemitismus.

Der Antizionismus richtet sich gegen die Juden als Nation, gegen den jüdischen Staat. Bis heute ist die Leugnung der historischen Tatsache, dass das Judentum sowohl eine Nation als auch eine Religion ist, in ganz unterschiedlichen Kreisen, von linken Professor*innen in Philosophie, jüdischen Studien, Islam- und Nahostwissenschaften, über Aktivist*innen der einschlägigen NGOs hin zu Jihadisten und Islamisten und vielen anderen Gruppen, en vogue.

Das „Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg“ und eine ebenso etablierte Forsch­ungs­­­­einrichtung wie das „Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdischen Studien“ in Potsdam publizieren Dissertationen, die zum Beispiel Israel und die israelische Landesplanung (wie den Architekten Arieh Sharon) mit dem Nationalsozialismus und dem genozidalen „Generalplan Ost“ analogisieren.[5] Diese abstoßendste Form des Post-Shoah-Antisemitismus ist also selbst (oder gerade) unter gewissen Akademiker*innen angesagt und wird so gut wie nie skandalisiert. Selbst Kolleg*innen, die solche antisemitische Ideologie nicht teilen, schweigen oder denken, eine kleine Israelfahne überm Küchentisch in der WG oder der Zweiraumwohnung sei völlig ausreichend als Protest. Wer möchte sich schon wegen „so was“ die Karriere verbauen?

Andere Forscher im Bereich „jüdische Studien“ beziehen[6] sich in ihren Werken mitunter auf Bücher, die insinuieren, Theodor Herzl und Adolf Hitler hätten sich durch das gleiche Konzert mit Wagner-Musik in Paris (spätestens im Mai 1895) zu ihren jeweiligen, folgenreichen Büchern inspirieren lassen. Selbst jene Forscher*innen, die nicht ganz so grotesk hantieren und solche absurden, postfaktischen Fantasien (=Lügen) nicht teilen, sind bestenfalls Unterstützer eines „binationalen“[7] Israels, also Feinde eines jüdischen Staates.

Sie ignorieren gezielt und mit Erfolg, dass ein Verfechter des kulturellen Zionismus und des Binationalismus der 1920er Jahre wie Gershom Scholem, der Teil der Gruppe Brit Schalom war, wenig später sehr wohl zu einem politischen Zionisten wurde. Der arabische wie der muslimische Antisemitismus haben ihn das gelehrt. Scholem musste Mitte der 1930er Jahre mit dem Gewehr auf den Dächern Jerusalems den im Werden begriffenen Judenstaat gegen fanatische Araber und Muslime verteidigen. Vor diesem Hintergrund war von vornherein klar, BICSA würde der Analyse und Kritik des Antizionismus oder der Israelfeindschaft besonders großen Raum einräumen. Gleich im ersten Band, den BICSA in seiner Reihe „Studien zum Antisemitismus“ 2011 herausbrachte, war die deutsche Islamforschung und deren Verhältnis zu Israel und dem Antisemitismus Thema.[8] Eine Untersuchung der eher problematischen Aspekte des Kosmopolitismus, von Immanuel Kant bis Jürgen Habermas, Seyla Benhabib und Judith Butler, war sodann Teil einer Studie über die unterschiedlichsten Aspekte des heutigen Antisemitismus, hier: des kosmopolitischen Antizionismus.[9]

***

Es ist dem Verlag Edition Critic nun eine besondere Freude und Ehre, das Buch Der israelische Nationalstaat – Politische, verfassungsrechtliche und kulturelle Herausforderungen, herausgegeben von Fania Oz-Salzberger von der Universität Haifa und Yedidia Z. Stern von der Bar-Ilan Universität, einem deutschsprachigen Publikum präsentieren zu dürfen. Fania Oz-Salzberger ist in Deutschland eine sehr bekannte Publizistin, nicht zuletzt aufgrund ihrer bei Suhrkamp erschienenen Bände „Israelis in Berlin“ oder „Juden und Worte“ (zusammen mit ihrem Vater, dem Schriftsteller Amos Oz) und ihrer regelmäßigen Auftritte auf Konferenzen, Veranstaltungen oder Podiumsdiskussionen als links-liberale Public Intellectual.

BICSA publiziert mit Der israelische Nationalstaat seinen sechsten Band in der Reihe „Studien zum Nahen Osten“. Der Band erschien 2014 auf Englisch beim Verlag Academic Studies Press (ASP) in Boston, Massachusetts. Die Edition Critic bedankt sich herzlich bei David Michelson von ASP für die sehr freundliche Unterstützung und die Bereitstellung der Grafik in Kapitel 15. Als ich beim Lesen des englischen Originals spontan auf die Idee kam, anzufragen, ob es nicht eine deutsche Fassung geben könnte, war die Kooperation und Hilfe von Fania Oz-Salzberger wunderbar, enthusiastisch und unkompliziert. Die Kapitel 1 bis 8 sind von Clemens Heni übersetzt, Kapitel 9 bis 15 von Michael Kreutz (Korrektorat und Lektorat: Edition Critic). Es war dem Verlag nicht möglich, auf Deut­sch erschienene Werke, die in englischen Fassungen zitiert werden, zu überprüfen, von einzelnen Fällen abgesehen. Herzlichen Dank an Thomas Weidauer, der den Buchumschlag gestaltete, und an Susanne Wein, die Teile der Übersetzung kritisch las. Der Band fügt sich in das Verlagsprogramm der Edition Critic wie in die Reihe „Studien zum Nahen Osten“ (sowie die „Studien zum Antisemitismus“) von BICSA gut ein. Ein paar Bemerkungen zu einzelnen Kapiteln dieses Bandes seien erlaubt. Das Kapitel 2 des Historikers Gadi Taub, „Was ist Zionismus“, stellt nicht nur die Grundlagen des Zionismus dar, sondern argumentiert auf differenzierte Art und Weise für den jüdischen und demokratischen Staat Israel. Das ist auch das Thema von Fania Oz-Salzberger in Kapitel 3 und von Ruth Gavison in Kapitel 7. Verfassungsrechtliche Fragen gerade auch bezüglich des jüdischen und demokratischen Charakters Israels werden in Kapitel 6 von Ariel L. Bendor und Kapitel 8 von Aviad Bakshi und Gideon Sapir behandelt. Das für einen Rechtsextremismus- und Demokratieforscher in gewisser Weise Irritierende ist Kapitel 13 von Ayman K. Agbaria, der eine israelisch-palästinensische oder arabische Position vertritt. Er wendet sich nun nicht nur gegen bestehende Diskriminierungen der Araber in Israel, was richtig und wichtig ist. Gleiche Rechte sind gerade nicht das primäre Anliegen – vielmehr andere Rechte, ja teils für je unterschiedliche Gemeinden und Gruppen der arabischen Israelis eigene Rechte sowie unabhängige, vom Staat Israel de facto abgetrennte Bildungseinrichtungen und eigene Unterrichtsmaterialien. Das erinnert durchaus an die neu-rechte Ideologie des Ethnopluralismus, wie wir sie von Alain de Benoist aus Frankreich oder Henning Eichberg in der BRD kennen, die homogene Einheiten möchten, die nebeneinander her leben.[10]

Diese Einforderung eines separierten Bildungssystems (das paradoxerweise oder bezeichnenderweise auch von vielen jüdischen Israelis unterstützt wird, so Agbaria) wird in Kapitel 7 der Israelpreisträgerin Ruth Gavison durchaus kritisch betrachtet, Gavison stellt jedenfalls die staatliche Unterstützung für ein separiertes arabischsprachiges Bildungssystem in Frage.

Sicherlich muss man mit der Übertragung des rechtsextremen Konzepts des Ethnopluralismus auf den Nahen Osten vorsichtig sein, da solche Forderungen nach eigenen Rechts- und Bildungssystemen im Nahen Osten eine ganz andere Dimension haben. Im Nahen Osten sind viele Länder tribal und reaktionär geprägt, wobei Israel gerade die demokratische Ausnahme ist, was uns sogleich zur zentralen Debatte seit dem 18. Jahrhundert zwischen Universalismus und Partikularismus führt. Es könnte aber auch die Nähe vieler extremer Rechter (und auch gewisser Linker und von Teilen des Main­streams) in Europa wie den USA erklären, die gerade dieses „Identitäre“ allgemein oder das ethnopluralistische Nebeneinanderherleben (im gleichen Staat) betonen und im Nahen Osten wie in Israel meinen wieder zu erkennen.

Die Nutzung des antizionistischen Kampfbegriffs „Nakba“ im Kapitel 13 ist ebenso zu problematisieren – vor allem vor dem Hintergrund, dass außerhalb Israels dieses Unwort in antiisraelischen Kreisen ohnehin seit Jahren in Mode ist. Man sollte also zumal in Europa dieses Wort kritisch einordnen, ohne die Geschichte der Palästinenser zu ignorieren. Auch andere Kapitel enthalten mitunter Formulierungen, die, eventuell aus dem Kontext gerissen, durchaus eine Nähe zu identitären und nicht unproblematischen Positionen erahnen lassen, beispielsweise wenn es in Kapitel 10 von Avi Sagi um das indische Kastensystem und eine vorgebliche gesellschaftliche „Harmonie“ geht. Einige in Kapitel 15 angesprochenen „Theorien“ sind womöglich in ihrer Relevanz zu hinterfragen, ohne die zionistische Idee und Ausrichtung des Kapitels zu verkennen. Mehrere Kapitel befassen sich intensiv mit der Bedeutung der Religion im Staat Israel, wovon sich unter anderem das eher locker geschriebene, säkulare und allen rechten israelischen Tendenzen zum Trotz optimistische Kapitel 14 von Alexander Yakobson etwas abhebt.

***

Angesichts eines Philoisraelismus, also etwa des demonstrativen Benutzens der Israelfahne durch reaktionäre und rechtsextreme Kreise von den USA über die Niederlande bis Deutschland und Österreich, gilt es, Israel aus zionistischer Perspektive zu verstehen und nicht als Hort des Identitären. Wie dieser Band zeigt, ist Israel und ist die sich entwickelnde israelische „Identität“ gerade nicht völkisch, isolationistisch, nationalistisch oder rückwärtsgewandt („früher war alles besser“, „America First“ etc.). Das kann der Zionismus gar nicht sein, er ist eine moderne, zukunftsorientierte Bewegung und hat eine in die Zukunft gerichtete Staatsidee. Wie mehrere Beiträge in diesem Buch betonen, war es eine nie dagewesene Form des Staatsaufbaus, Juden aus nicht weniger als 70 verschiedenen Ländern der Diaspora zusammenzubringen. Sie alle entwickeln seit bald 70 Jahren eine neue, offenkundig nicht festgelegte hebräische oder israelische „Identität“. Das Suchen und Finden eines neuen israelischen „Leitmotivs“ ist der Kern des abschließ­enden Kapitels 15.

Alles, was die Rechten in Europa oder USA fetischisieren, Vergangenheit, Tradition, rassistische Überlegenheit oder völkische Homogenität, sind im jüdischen Staat undenkbar, da es gar nicht die eine Form des Jüdischseins gibt. Allein schon die grundlegende Differenz zwischen europäischen, asch­kenasischen und den sephardischen, nahöstlichen Juden, ist bemerkenswert. Wie mehrere Kapitel herausarbeiten, hat sich die massive und mitunter leidenschaftliche Differenz dieser Gruppen über die Jahrzehnte abgeschliffen. Dazu kommen jedoch die Unterschiede und Gräben zwischen den Säkularen und den Religiösen.

Die Feindseligkeit gegenüber Israel ist auch in Deutschland weit verbreitet, trotz der guten bilateralen Beziehungen, während Israelis laut Umfragen Deutschland weit mehr schätzen, warum auch immer. Wie diese Demokratie Israel aber im Innern wirklich aussieht, interessiert hierzulande selbst unter den „Israelfreund*innen“ nicht wirklich viele. Insofern ist dieser Band womöglich geeignet, negative wie positive Vorurteile über den jüdischen Staat zu korrigieren und endlich in eine seriöse Debatte über Israel als jüdischer und demokratischer Staat einzutreten.

***

Selbst lieb gewonnene positive Stereotype in der sogenannten Pro-Israel-Szene wie namentlich das Publizieren von Bildern von Kampfflugzeugen der israelischen Luftwaffe (IAF), die angeblich am 27. Januar über der KZ-Gedenkstätte Auschwitz flogen (de facto flog an diesem Tag noch nie ein solches Flugzeug über Auschwitz) sind bezeichnend. Die Fantasie, die IDF oder IAF hätten den Holocaust behindern oder verhindern können, wird in Kapitel 5 von der Israelpreisträgerin, der Historikerin Anita Shapira, luzide zerpflückt. Auch die Universalisierung der Shoah, das Leugnen der Präzedenzlosigkeit (wie wir es von totalitarismustheoretischer, Rot und Braun gleichsetzender wie auch von postkolonialer und postorientalistischer Ideologie im Zuge Edward Saids her kennen), wird bei Shapira kritisiert.

***

Die vorliegende Übersetzung des von Fania Oz-Salzberger und Yedidia Z. Stern edierten Bandes Der israelische Nationalstaat ist eine vehemente, differenzierte, wissenschaftliche Grundlegung des Zionismus und des jüdischen und demokratischen Staates Israel. Die sechzehn Autorinnen und Autoren sind alle Israelis und bieten einem deutschsprachigen Publikum Originaleinblicke in derzeitige Debatten in Israel und über Israel. Im Unterschied zu vielen Publikationen in deutscher Sprache zu Israel ist dieser Band wirklich an dem interessiert, was in Israel passiert, wie sich der Zionismus entwickelt hat, welche Gegenkräfte es gab und gibt, und wie die Zukunft des jüdischen Staates aussehen könnte.

Namentlich der philosophische Beitrag von Shira Wolosky in Kapitel 4 über Levinas und Habermas, das philosophische Hauptstück dieses Buch­es, könnte eine breite Debatte über Universalismus und Partikularismus anstoßen. Wolosky stellt Emmanuel Levinas‘ Verteidigung des Partikularismus in den Kontext seiner frühzeitigen Kritik an Heidegger (einem sein­er Lehrer), dem deutschen Nationalsozialismus, Hitlers sowie – das ist das Frappierende – am Universalismus.

Damit spannt Levinas einen Bogen von Plato über Heidegger hin zu Habermas, die jeweils viel näher zum nazistischen Willen des Einebnens und Auslöschens von Differenz stünden, als das antifaschistische Selbsteinschätzungen – wie bei Habermas – vermuten ließen. Selbst viele sich eher als pro-israelisch betrachtenden Philosoph*innen, Forscher*innen oder Aktivist*innen haben sich hierzulande kaum mit den Schattenseiten gerade des Universalismus beschäftigt.

Das hat insofern allerdings in der Tat einen Grund, als Antikosmopolitismus und Antiuniversalismus Urständ feiern und der Rechtsextremismus und die Neue Rechte in ganz Europa und den USA eine sehr große Gefahr darstellen, was wiederum auch nicht unerhebliche Teile der „Israelsolidarität“ betrifft, die diese Gefahr nicht nur nicht sieht, sondern zuweilen ein aktiver Teil dieser rechten Szene (geworden) ist. Wahrlich dialektisch zu denken hieße wohl, den Partikularismus und dezidierten – mit Levinas argumentierenden, antifaschistischen und zionistischen – Antiuniversalismus des jüdischen Staates zu erkennen und zu verteidigen, aber gleichzeitig die anti­universalistische, antikosmopolitische, reaktionäre, nationalistische Rech­te und Linke wie den Mainstream in Deutschland und weiten Teilen Euro­pas, Amerikas und Russlands zu attackieren, und das massiv.

***

Mit einem US-Präsidenten Trump als „Freund“ – manche „Marxisten“ sehen in ihm gar Hegels „List der Vernunft“, manche Juden und gewisse Israelis (wie der israelische Innenminister Arye Dery) die Ankunft des „Messias“ und eine große amerikanisch-jüdische NGO (das Simon Wiesenthal Center, repräsentiert durch seinen Gründer und Vorsitzenden Rabbi Marvin Hier) betete für Trump auf dessen Inauguration – und der beschriebenen Gefahr der Einstaatenlösung braucht Israel seriöse, liberale, linke und demokratische Stimmen. Für die israelische Soziologin Eva Illouz, die sich an Sigmund Freuds Analyse des Unheimlichen anlehnt, indiziert die positive Reaktion auf Trump ein „Erdbeben“ in der „jüdischen Welt“.[11] Hatten Juden bislang gegen Antisemitismus und für Menschenrechte gekämpft, so stehen sie nun, so Illouz, angesichts von Trump in nicht geringen Teilen Seite an Seite mit antisemitischen Positionen und einer Unzahl weiterer auch für die Demokratie und die Menschenrechte (für alle Bewohner*innen) in Israel gefährlichen Gruppen, Personen und Tendenzen.

Umso wichtiger ist es, Israel als jüdischen und demokratischen Staat zu festigen. Möge dieser Band eine Anregung zur zivilisierten Debatte, eine Stimme der zionistischen Vernunft sein – in Zeiten von Jihad und islamistischem oder säkularem Antisemitismus (wie BDS) sowie der Kakophonie eines Philosemitismus und Philoisraelismus.

 

Dr. phil. Clemens Heni, im Januar 2017

Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Verleger, Edition Critic

 

[1] Eva Illouz: Israel. Soziologische Essays, aus dem Englischen von Michael Adrian (Berlin: Suhrkamp, 2015), 133.

[2] Einat Wilf, „The Green Line Strikes Back“, The Tower, 17. Januar 2017, http://www.
thetower.org/4434-the-green-line-strikes-back/ (eingesehen am 29.01.2017).

[3] https://www.youtube.com/watch?v=2u_jMab400k (eingesehen am 29.01.2017).

[4] Shaul Arieli, „The Dangers of Annexing the Westbank“, Haaretz, 27. Januar 2017, http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.767461 (eingesehen am 29.01.2017).

[5] Clemens Heni: „Vorwort: Zionismus und die Realität an deutschen Universitäten heute“, in Wiebke Dursthoff, Kibbutz und Bauhaus. Arieh Sharon und die Moderne in Palästina (Berlin: Edition Critic, 2016), 10–18, 12ff.

[6] Clemens Heni: Kritische Theorie und Israel. Max Horkheimer und Judith Butler im Kontext von Judentum, Binationalismus und Zionismus (Berlin: Edition Critic, 2014), 61–65.

[7] Heni, Kritische Theorie und Israel, 17–77.

[8] Clemens Heni, Schadenfreude. Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11 (Berlin: Edition Critic, 2011).

[9] Clemens Heni, Antisemitism: A Specific Phenomenon. Holocaust Trivialization – Islamism – Post-colonial and Cosmopolitan anti-Zionism (Berlin: Edition Critic, 2013), 385–451.

[10] Vgl. hierzu Clemens Heni, Salonfähigkeit der Neuen Rechten. ‚Nationale Identität‘, Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970–2005: Henning Eichberg als Exempel (Marburg: Tectum, 2007, zweite Auflage Berlin 2017; zugleich Diss. Uni Innsbruck 2006).

[11] Eva Illouz, „An Earthquake in the Jewish World“, Haaretz, 1. Januar 2017.

 

Dieses Buch konnte erst mit der großzügigen Unterstützung des Deutschen Fördererkreises der Universität Haifa e.V. unter dem Vorsitz von Sonja Lahnstein-Kan­del realisiert werden. Dafür bedanken wir uns herzlich!

Ebenso herzlichen Dank an die University of Haifa Research Authority für die Unterstützung bei diesem Übersetzungsprojekt!

„Dieser Band bietet den Leserinnen und Les­ern den aktuellen For­schungs­stand, zu­gäng­liche Analysen von Israels sich endlos fort­setz­endem Theater der Staatskunst, öffent­lichen Debatten, juri­st­ischen und kulturellen Dra­men, sein­en tiefen Gräben und – was vielleicht mehr über­rascht – seinen inneren Ge­mein­sam­keiten und gleichen ge­meinsamen Nennern.“
(Fania Oz-Salzberger/Yedidia Z. Stern)

Foto: Karl Gabor

Fania Oz-Salzberger ist Professorin für Geschichte am Zentrum für Deutsche und Europäische Studien der Universität Haifa sowie an der Fakultät für Recht. Auf Deutsch publizierte sie Israelis in Berlin (2001) und Juden und Worte (2013, zusammen mit ihrem Vater, Amos Oz)

Foto: privat

Yedidia Z. Stern ist Vizepräsident der Forschungsabteilung am Israel Democracy Institute. Er ist Professor an der juristischen Fakultät der Bar-Ilan Universität in Israel. Er ist Träger des Zeltner Preises für exzellente juristische Forschung in Israel (2009) und des Gorni Preises für besondere Verdienste in öffentlichem Recht (2012)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Karl Pfeifer: Immer wieder Ungarn – Autobiographische Notizen, Nationalismus und Antisemitismus in der politischen Kultur Ungarns – Texte 1979 bis 2016

Neuerscheinung am 21. Oktober 2016

Buchvorstellung mit dem Autor Karl Pfeifer:

Wann: Freitag, 21. Oktober 2016, 9:30 Uhr.
Wo: Sitzungssaal des Bundesrates im österreichischen Parlament, WIEN.

Begrüßungsworte: Ulrike Lunacek, Abg. zum EU-Parlament
Laudatio: Abg. z. Nationalrat Karl Öllinger
Dr. Clemens Heni, Verleger, Edition Critic
György Gadó, ehem Abg. des ung. Parlaments
Dankesworte: Karl Pfeifer

 

flyer_a

20161017_001700

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Karl Pfeifer: Immer wieder Ungarn – Autobiographische Notizen, Nationalismus und Antisemitismus in der politischen Kultur Ungarns – Texte 1979 bis 2016

Robert S. Wistrich: Der antisemitische Wahn (Paperback Ausgabe, Oktober 2016)

Neuerscheinung am 24. Oktober 2016 (Paperback):

Robert S. Wistrich

Der antisemitische Wahn

Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel

Mit einem Vorwort
von Robert S. Wistrich, Mai 2015
und dem Nachruf »Das Ende einer Epoche«

Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber

469 + xvi Seiten, Paperback, 15,24 x 22,86cm, ISBN 978-3-946193-13-5, 19€ (D),
Berlin: Edition Critic

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) / Studies in Antisemitism, Studien zum Antisemitismus, Vol. 5 / Band 5, Herausgeber/Editor: Dr. Clemens Heni, Direktor (BICSA)

Ab 24.10.2016 in jeder Buchhandlung bestellbar oder direkt beim Verlag (versandkostenfreie Lieferung in D), Vorbestellungen an editioncritic@email.de

wistrichcoverneu6x9_cream_500

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

JETZT lieferbar: Wiebke Dursthoff – Kibbutz und Bauhaus. Arieh Sharon und die Moderne in Palästina

cover_300_dpi_0413

Wiebke Dursthoff: Kibbutz und Bauhaus. Arieh Sharon und die Moderne in Palästina, Berlin: Edition Critic, 270 Seiten, 137 Abbildungen (s/w und farbig)
ISBN 978-3-946193-01-2, 21cm x 29,7cm, 29€

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für JETZT lieferbar: Wiebke Dursthoff – Kibbutz und Bauhaus. Arieh Sharon und die Moderne in Palästina

Robert S. Wistrich: Der antisemitische Wahn. Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel

Neuerscheinung am 2. Dezember 2015:

Robert S. Wistrich

Der antisemitische Wahn

Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel

Mit einem Vorwort
von Robert S. Wistrich, Mai 2015
und dem Nachruf »Das Ende einer Epoche«

Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber

469 + xvi Seiten, Hardcover, 14,8x21cm, ISBN 978-3-946193-00-5, 25€ (D),
Berlin: Edition Critic

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) / Studies in Antisemitism, Studien zum Antisemitismus, Vol. 5 / Band 5, Herausgeber/Editor: Dr. Clemens Heni, Direktor (BICSA)

Ab 2.12.2015 in jeder Buchhandlung bestellbar oder direkt beim Verlag (versandkostenfreie Lieferung in D), Vorbestellungen an editioncritic@email.de

978‐3‐946193‐00‐5_f_500x711978‐3‐946193‐00‐5_b_500x708

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Robert S. Wistrich: Der antisemitische Wahn. Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel

Jetzt lieferbar: Karl Pfeifer – Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg

Karl Pfeifer: Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) /

Studien zum Nahen Osten, Band 4

Berlin: Edition Critic, 2015, ISBN 978-3-9815919-2-7, 162 Seiten, 18 Abbildungen, Broschur, 15,2 x 22,8 cm, 18€

 

Karl Pfeifer muss im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern vor den Nazis flüchten. Das einzige Land, in das sie einreisen können, ist Ungarn. Anfang 1943 schafft er mithilfe der zionistischen Bewegung die Einwanderung nach Palästina. Drei Jahre lebt er in einem Kibbuz und meldet sich 1946 freiwillig zur Palmach, Elitetruppe der Hagana, und kämpft bis Ende des Unabhängigkeitskrieges für die Entstehung des Staates Israel. Schließlich landet er über einige Stationen wieder in Österreich.

Pfeifers Erinnerungen beklagen nicht das schwere Schicksal, sondern schildern einen mutigen Weltbürger, der aller Unbill zum Trotz mit wachem Geist und mit Humor die Zeichen seiner Zeit erkennt.

9783981591927_front

 

9783981591927_back

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Jetzt lieferbar: Karl Pfeifer – Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg

JETZT lieferbar: Georg M. Hafner/Esther Schapira: Das Kind, der Tod und die Medienschlacht um die Wahrheit

Cover Hafner Schapira

Georg M. Hafner/Esther Schapira:

Das Kind, der Tod und die Medienschlacht um die Wahrheit

Der Fall Mohammed al-Durah

ISBN 978-3-9814548-7-1

164 Seiten, mit 22 Abbildungen, 22,86cm x 15,24cm, Paperback, 18€

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) / Studien zum Nahen Osten, Band 3

 

Das Bild ging um die Welt: Ein Vater kauert mit seinem kleinen Sohn hinter einem Betonfass. Verzweifelt versucht er sich und sein Kind in einem mörderischen Kugelhagel zu retten. Vergeblich. Der 12-jährige Palästinenserjunge Mohammed al-Durah stirbt in den Armen seines Vaters an der Netzarim-Kreuzung in Gaza. Das war am 30. September 2000. Der Junge starb vor laufender Kamera, ein Kameramann des französischen Senders France 2 hatte die dramatischen Bilder gedreht.

Mittlerweile gibt es mehr Zweifel an der Szene als Gewissheiten. Wurde der Junge von Palästinensern erschossen oder von Israelis? Wurde er überhaupt erschossen? War die Szene eine Propagandainszenierung? Über ein Jahrzehnt nach dem gefilmten Tod des kleinen Mohammed al-Durah steht nicht einmal mehr fest, ob er damals starb oder vielleicht sogar noch lebt. Für die palästinensische Seite aber gab es nie Zweifel an der Wahrheit des Märtyrertodes.

Esther Schapira und Georg M. Hafner haben den Fall Mohammed al-Durah von Anfang an verfolgt und journalistisch immer wieder aufgegriffen, in filmischen Dokumentationen, in Aufsätzen, Kommentaren und zahllosen Gesprächen mit allen, die in diesen Fall verwickelt sind. Sie haben Dokumente durchsucht, Untersuchungsberichte studiert, Experten befragt und kommen zu einem dramatischen Ergebnis. Den Weg dahin schildert dieses Buch. Es ist die erste komplette Zusammenstellung zu dem Fall. Eine erschütternde Fallstudie des Medienkrieges, ein journalistischer Lagebericht über die mangelnde Sorgfalt im täglichen Kampf um die besten Bilder und die beste Story.

***

Esther SchapiraEsther Schapira ist seit 2013 Abteilungsleiterin der Fernsehredaktion Politik und Gesellschaft beim Hessischen Rundfunk und Kommentatorin bei den ARD-Tagesthemen. Als Autorin zahlreicher Fernseh-Dokumentationen erhielt sie mehrere Preise, u.a. den Rias-Fernsehpreis, den Elisabeth-Selbert-Preis, den Prix Europa, den Prix Circom. Sie ist außerdem Trägerin des Theodor-Lessing-Preises und der Buber-Rosenzweig-Medaille. Sie ist Autorin für „Die Tribüne“, „Cicero“, „Frankfurter Rundschau“, „Frankfurter Allgemeine“, „TAZ“ und die „Jüdische Allgemeine. Zu ihren Buchveröffentlichungen gehört „Die Akte Alois Brunner“ (Campus/Rowohlt).

***

Dr. Georg M. HafnerGeorg M. Hafner war seit 1988 leitender Fernsehredakteur bei der ARD und Autor zahlreicher Filmdokumentationen, zuletzt des Dokumentarfilms „München 1970 – Als der Terror zu uns kam“. Für seine Filme erhielt er u.a. den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und den Premios Ondas. Er ist Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören u.a. „Die Akte Alois Brunner“ (Campus/Rowohlt). Seit 2013 ist er freier Autor und Publizist in Frankfurt am Main.

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für JETZT lieferbar: Georg M. Hafner/Esther Schapira: Das Kind, der Tod und die Medienschlacht um die Wahrheit

Ben Cohen: Some Of My Best Friends

 

What is involved here is the difference, as I wrote in the February 2012 essay for Commentary magazine that is included in this collection, between what I call “bierkeller” and “bistro” antisemitism. The crude, violent antisemitism incubated in the German bierkellers where the Nazis guzzled beer and shouted themselves hoarse was a hallmark of the twentieth century. Polite, modulated, ostensibly reasonable antisemitism, often calling itself “anti-Zionism,” and expressed in the progressive chatter across the tables of fashionable bistros, is a hallmark of the twenty-first.

Ben Cohen

Ben Cohen is a writer based in New York. A specialist on Jewish and international affairs, he has written for the Wall Street Journal, Commentary, Haaretz, Tablet and many other publications.

Reviews:

Jewishideas

CST

Jewish Review of Books

hagalil

Fathom

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Ben Cohen: Some Of My Best Friends

Jetzt lieferbar: Kritische Theorie und Israel

Clemens Heni

Kritische Theorie und Israel
Max Horkheimer und Judith Butler im Kontext von
Judentum, Binationalismus und Zionismus

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung                                                                                                                                1

1) Von Stuttgart als modernem Zion zum Kulturzionismus                                          9

2) Eine Zukunft für die Vergangenheit? Die binationale Ideologie                            17

2.1) Ein jüdischer und ein arabischer Staat: UN-Teilungsplan von 1947           17

2.2) Jüdischer Kampf gegen Israel: Judith Butler                                                   21

2.3) Hat Butler zu Recht den Adorno-Preis erhalten?                                            28

2.4) Micha Brumliks Judith Butler                                                                              31

2.5) Mit Kant gegen den Nationalstaat und Israel?                                                  38

2.6) Transnationale Ideologie gegen den jüdischen Staat                                       46

2.7) Von der „Israeli-Apartheid-Week“ zum Wissenschaftskolleg zu Berlin
und zurück: Amnon Raz-Krakotzkin im deutschen Mainstream                           50

2.8) Binationale Jüdische Studien oder ist Jacqueline Rose zitierwürdig?          61

2.9) Habilitieren und die Welt (vor dem Zionismus) retten, 1980                         70

2.10) Lévinas: Israel als „großes Ereignis in der Geschichte der Menschheit“    75

3) „Ohne Angst verschieden sein“ – Kritische Theorie versus Zionismus?                  79

3.1) Kann Adorno ‚zionistisch‘ gelesen werden?                                                         79

3.2) Kurt Blumenfeld versus Hannah Arendt, 1946                                                  98

4) Adorno statt Hebräisch oder Kommunisten und Israel –
ein Missverständnis?                                                                                                              103

5) Israel als Schutzraum vor einem „zweiten Holocaust“                                               113

6) Max Horkheimer, die Kritische Theorie und Israel                                                    117

6.1) Forschungen der Kritischen Theorie zum Antisemitismus                            117

6.2) Horkheimer und das Judentum: was sagt die Forschung?                           122

6.3) Horkheimer und das Judentum: was sagen seine Texte?                              128

6.4) (Erich) Fromm gegen Israel                                                                                 136

6.5) Adorno: kein Zionist, aber Pro-Israel?                                                               138

6.6) Herbert Marcuse: Juden brauchen einen jüdischen Staat                             141

6.7) Leo Löwenthal: ‚Auch Juden haben ein Recht auf Waffengewalt‘…            142

6.8) Ist die Kritische Theorie pro-israelisch?                                                            144

Epilog) Fünf Worte, die den Nahen Osten verändern würden                                      149

Literatur                                                                                                                                    153

Personenindex                                                                                                                          171

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Jetzt lieferbar: Kritische Theorie und Israel

NEUERSCHEINUNG: Anton Maegerle – Vom Obersalzberg bis zum NSU

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen,

es ist dem Verlag Edition Critic eine große Freude unsere Neuerscheinung zu präsentieren:

Anton Maegerle

Vom Obersalzberg bis zum NSU:
Die extreme Rechte und die politische Kultur
der Bundesrepublik 1988 – 2013

 NS-Verherrlichung, rassistische Morde an Migranten,
Antisemitismus und Holocaustleugnung

ISBN 978-3-9814548-6-4
14,8×21 cm, Broschur
409 Seiten, Index
Preis: 20€
Unser Service: kostenlose Lieferung an Privatkunden von heute auf morgen! Bestellungen an editioncritic@email.de, per Fax an 03212 141 5566 oder Sie bestellen das Buch im Buchhandel Ihrer Wahl.

Dieses Buch ist Band 1 der neuen Reihe Studien zum Rechtsextremismus und zur Neuen Rechten des Verlages Edition Critic und des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Dieses Buch ist seit dem13. August 2013 lieferbar! – Vergriffen, seit 8.12.2016 nicht mehr lieferbar, erweiterte Auflage für 2017 in Planung.

Anton Maegerle Vom Obersalzberg bis zum NSU

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für NEUERSCHEINUNG: Anton Maegerle – Vom Obersalzberg bis zum NSU